Der „Tolle Bomberg“ wird lebendig
NLGR lädt zu Josef-Winckler-Lesung in die Hausbrauerei Boente
Am Dienstag, dem 18. Oktober 2011, veranstaltet die Neue Literarische Gesellschaft Recklinghausen im westfälischen Ambiente der Recklinghäuser Haubrauerei Boente eine Lesung aus dem Werk des westfälischen Schriftstellers Josef Winckler. Im Vordergrund steht der Schelmenroman „Der tolle Bomberg“. Vortragende sind Alfred Stemmler und Stephan Schröder. Die Lesung findet im „Stübchen“ der Hausbrauerei statt und beginnt um 19.30 Uhr.
Wer war der „Tolle Bomberg“? Hinter dieser Kunstfigur verbirgt sich der wirkliche Baron Gisbert von Romberg, der aus dem Münsterland vom Schloss Buldern in der Nähe von Dülmen (heute ein privates Internat) stammte. Er galt als Haudegen in den beiden Kriegen von 1866 und 1871, als Rauf- und Trunkenbold. Gleichzeitig engagierte er sich aber auch als Zechengründer im Ruhrgebiet. Um ihn ranken sich viele Anekdoten, die Anlass zu den Geschichten vom „Tollen Bomberg“ gaben. Sie ähneln denen des „Baron von Münchhausen“.
So zog Baron von Romberg angeblich mit großer Regelmäßigkeit als Passagier des Expresszuges von Münster ins Ruhrgebiet bei dem Flecken Buldern die Notbremse, zahlte seelenruhig seine 30 Reichsmark Strafe und spazierte pfeifend zu seinem nahe gelegenen Schloss. Das ging so lange, bis der Amtsschimmel keine Lust mehr hatte zu wiehern und die Bahnverwaltung dem Dörfchen Buldern eine Bahnstation genehmigte. Keine Frage, dass der Baron zu diesem Anlass eine gewaltige Feier organisierte, an der Zugpersonal, Passagiere und Dorfbewohner teilnahmen.
Josef Winckler (1881-1966) machte eine überraschende literarische Karriere: Schon als Student der Zahnmedizin in Bonn veröffentlichte er 1904 einen viel versprechenden Lyrikband. 1912 war er beteiligt an der Gründung des avantgardistischen Autorenkreises „Werkleute auf Haus Nyland“. Auch zu Richard Dehmel und Heinrich Lersch hatte er Kontakt. Den Beruf des Zahnarztes gab er nach dem Sensationserfolg seines Schelmenromans „Der tolle Bomberg“ (1925) auf. Er habe „nach der entsetzlichen Strapaze des sogenannten Weltkrieges ein unermessliches Bedürfnis nach Heiterkeit“ verspürt, begründet Winckler im Vorwort das Entstehen seines Werkes. Zweimal verfilmt und über 750.000 mal gedruckt, dürfte „Der tolle Bomberg“ das erfolgreichste westfälische Werk seiner Zeit darstellen.
Der Vorverkauf für diese Lesung hat begonnen in den Recklinghäuser Buchhandlungen Attatroll (Tel. 02361/17002), Lesezeichen (Tel. 02361/374301) und Musial (Tel. 02361/181249). Der Eintrittspreis beträgt 8 EURO, ermäßigt 6 EURO.
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